Katharina-von-Bora Gemeinde Hildesheim-Itzum

Auf ein Wort

Ostern erleben

Wie kommt Ostern im eigenen Leben an? Ich habe das einmal so erlebt: Mit einem Kollegen bin ich an der U-Bahn verabredet. Auf mein „Guten Morgen!“ sehe ich, wie ihm Tränen in die Augen steigen: „Du bist ja ganz traurig! Was ist passiert?“ Er erzählt mit belegter Stimme: „Meine Omi ist gestorben, heute Morgen. Es ging schnell. Dabei hätte ich ihr doch so gerne noch etwas vorgesungen, wie sie das früher bei mir gemacht hat...“ Er schüttelt bestürzt den Kopf, versucht einen Satz, der trösten soll: „Sie ist über 90 Jahren alt geworden.“ Wir steigen in die U-Bahn, er erzählt von seiner Großmutter, immer ein paar Sätze, dazwischen Stille. Dann holt er Luft: „Für meine Mutter fängt auch etwas Neues an: Sie hat sich zuletzt immer um ihre Mutter gekümmert. Und meine Schwester hat am gleichen Tag wie meine Omi Geburtstag. Sie wird dieses Jahr das allererste Mal ihren Geburtstag nicht teilen müssen.“ 
Ein paar Musiker steigen ein. Ich befürchte: „Die werden Krach machen und platte Lieder spielen – und mein Kollege braucht doch Ruhe!“ Da legt die Band flott los: „O when the saints go marching in...“ Mein Kollege strahlt prompt: „Das passt ja schön!“ Zusammen kramen wir aus dem Gedächtnis Strophen des Gospels hervor; die Bedeutung fällt uns dabei in unsere Herzen: „Wenn die Heiligen in den Himmel einziehen, will ich dabei sein... Wenn die Heiligen um den Thron des Herrn stehen, will ich mit dabei sein...“ 
Wir merken: Da macht uns jemand stärker in unserer A u f e r s t e h u n g s - hoffnung, einfach so, mitten in der U-Bahn, mitten in der Trauer. Es hätte jedes Lied sein können, was die Band in der U-Bahn sang, aber es war genau dieses, das meinen Kollegen fröhlich machte. Er hätte das
Zufall nennen können, aber wir waren uns sicher: Gott selbst spendet hier Trost: „Ich will Euch mehr Gutes tun als je zuvor, und Ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin. (Hesekiel 36,11b)

Herzlichst
Ihre und Eure Pastorin
Carola Bachstein